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War heroines, male substitutes and lots of flowers – Vietnam has two women’s days

Neue Zürcher Zeitung, one of the most influential newspapers of Switzerland, wrote about the wonderful roles of Vietnamese women in their family and the social and economic life of the fast-growing Southeast Asian nation. SVBG’s Founder and President Nguyen Thi Thuc shared her views in this article:

Kriegsheldinnen, Männerersatz und viele Blumen – Vietnam hat gleich zwei Frauentage

Im Unterschied zu Frauen in anderen südostasiatischen Ländern steht Vietnamesinnen die Tür zu allen Berufen und Hierarchiestufen weit offen.

by Manfred Rist

Phnom Penh (NZZ)Als ich vor über zwanzig Jahren beruflich erstmals in Vietnam weilte und in einem Interview auf die Stellung der Frau zu sprechen kam, schaute mich die Gesprächspartnerin erstaunt an: “Wir Frauen sind seit der Wiedervereinigung von 1975 in der Wirtschaft etwa gleich stark vertreten wie die Männer.”

Diese Antwort hatte auch mit den kommunistischen Grundfesten zu tun, auf denen das moderne Vietnam heute noch steht. Sie bezog sich aber vor allem auf den Krieg, den sogenannten “American War”, den man im Westen Vietnamkrieg nennt. Ob an der Front oder im Hintergrund, Frauen galten in diesem Kampf genauso oft als heldenhaft wie Männer.

Politik ist Männerdomäne geblieben

Es gibt indes noch einen anderen – einen tragischen – Grund für die starke Stellung der Frauen: Nach zwölf Jahren verlustreichem Bürgerkrieg fehlten Vietnam damals die Männer. Frauen sprangen in die Lücke. Seither ist es ganz natürlich, dass Frauen in diesem Land in fast allen Positionen präsent sind.

Eine Berufskategorie fällt aber immer noch aus dem Rahmen: die Politik. Im Parlament sowie in der Regierung und erst recht im obersten Führungsorgan, dem Politbüro, sind die Frauen völlig untervertreten. Auch das hat historische Gründe. Die Spitzen der Kommunistischen Partei (und der Regierung) rekrutierten sich in der Vergangenheit vornehmlich aus den militärischen Kadern.

Pragmatische Zielstrebigkeit

Wer durch Südostasien reist und auch in Vietnam Station macht, nimmt den Unterschied rasch wahr: Im Gegensatz zu anderen Ländern der Region – etwa Laos oder Kambodscha –, wo Frauen immer noch eher klassische Rollen einnehmen und oft entsprechende Tätigkeiten ausüben, trifft man in Vietnam Frauen in praktisch allen Berufen und auf allen Ebenen des Managements an.

Eine Vietnamesin sorgt derzeit für besonders viel Furore: Nguyen Thi Phuong Thao. Vor neun Jahren gründete sie das Flugunternehmen Vietjet, das zunächst bloss die Strecke Hanoi–Ho Chi Minh City bediente. Nach der Expansion nach Indien und Ostasien wurde sie zur Milliardärin. Selbst im Krisenjahr 2020 wies das Unternehmen einen Gewinn aus und hat laut der Chefin keine Mitarbeiter entlassen müssen.

Die Selfmade-Dame verkörpert zwei für Vietnams Frauen recht typische Eigenschaften: Selbstbewusstsein und pragmatische Zielstrebigkeit. Letztlich geht es dabei stets um Effizienz. Vietnam, eine aufstrebende Nation par excellence, wäre ohne diese Charakterzüge vermutlich niemals dort, wo es heute steht: an der Schwelle zur Industrienation.

In Vietnam – das ist eine Parallele zum Nachbarland China – werden am Frauentag Traditionen auffallend gepflegt. So werden am 8. März Mütter, Tanten und Schwestern mit Blumen, Schokolade, Geschenken und vor allem mit süssen Worten geehrt. Auch die Grossmütter natürlich, denn in Vietnam (wie überhaupt in Asien) ist mit dieser Bezeichnung kein abschätziger Altersbezug verbunden, sondern Respekt und Dankbarkeit.

In Konkurrenz zum 20. Oktober

Gerade wegen dieser Traditionen in ihrem Heimatland hat der Internationale Frauentag für Thi Thuc Nguyen indessen einen seltsamen Beigeschmack. Die Präsidentin der Schweizerisch-Vietnamesischen Handelskammer (SVBG) in Lausanne ist jedes Jahr erstaunt, mit welch feministischer Rhetorik in anderen Ländern der internationale Tag der Frau begangen wird. In Vietnam sei davon wenig zu spüren, erläutert sie.

Dass dieser Aspekt in Vietnam zu grossen Teilen untergeht, habe verschiedene Ursachen. So habe Vietnam etwa bereits seinen eigenen Frauentag, nämlich den 20. Oktober. Zusätzlich zu den klassischen Huldigungen – wozu wiederum viele Blumen, Schokolade und andere Nettigkeiten gehören – würden an diesem Tag durchaus auch politische Themen wie Gleichberechtigung, gesellschaftliche Stellung oder sexuelle Gewalt angesprochen.

Dazu kommt natürlich, dass die politische Agenda in Vietnam in erster Linie von der Regierung selbst gesetzt wird. Überparteiliche Bewegungen spielen eine untergeordnete Rolle. Auch das ideologische Fundament stimmt in diesem Zusammenhang: Der 20. Oktober ist untrennbar mit dem Manifest zur Gründung der Kommunistischen Partei Indochinas im Jahr 1930 verbunden. Zu dessen Credo gehörte schon damals die Forderung “Gleiche Rechte für Mann und Frau”. NZZ